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Spengler oder Huntington?

"Zu meinem Ziele will ich, ich gehe meinen Gang: über die Zögernden und Saumseligen werde ich hinwegspringen: Also sei mein Gang ihr Untergang" [Friedrich Nietzsche]

 

Durch die globalen Proteste gegen die Muhammad Karikaturen und die Äußerung des Papstes hat das Synonym vom "Clash of Civilization" wieder die öffentliche Diskussion erreicht.

 

Dabei war der von Huntington vorhergesagte eigentlich gemeinte Zusammenprall der Kulturen bei seinem Erscheinen abgelehnt worden, da nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion das Dogma vom "Ende der Geschichte" von Francis Fukuyama galt. Entsprechend einer linearen Vorstellung von Geschichte schien der Telos der menschlichen Evolution durch den Sieg westlicher Werte und kapitalistischer Marktwirtschaft erreicht zu sein. Eine Zeit ewigen Friedens schien anzubrechen.

 

Dagegen stand Huntington, der das Paradigma der Rivalität der politisch-ökonomischen Systeme durch ein Modell von "Zivilisationen" (im deutschen übersetzt als "Kulturkreise") ersetzte. Er unterscheidet hierbei den sinischen, hinduistischen, japanischen, islamischen, westlichen, russisch-orthodoxen, lateinamerikanischen und (mit Vorbehalt) den afrikanischen Kulturkreis.

 

Zwar besteht nach Huntington ein Modernisierungsprozess, der aber nicht einen Verwestlichungsprozess darstellt. Vielmehr würde der westliche Kulturkreis immer mehr an Bedeutung verlieren.

 

In Zukunft würde an den Bruchlinien der Kulturkreise, die die Fronstellungen zwischen den Kulturen darstellen, neue Konflikte und Kriege ausbrechen. Insbesondere die Frage "Woran glaubst du?" wird sich dabei als ein identittätsstifendes Merkmal herauskristallisieren.

 

Dabei wären die Kontrahenten die Kernstaaten der großen Kultukreise, die inner- und außerhalb der Kulturkreise Ordnung schaffen würden/müssten.

 

Der islamische Kulturkreis hat dabei keinen Kernstaat, sondern besteht aus einer Vielzahl von Machtzentren. Das Ergebnis dieser inneren Multipolarität stellen viele innere und äußere Konflikte dar, die den Islam kennzeichnen.

 

Der angesprochene Kampf der Kulturen könnte nach Huntingtons Projektion in einem dritten Weltkrieg bestehen, deren Quelle möglicherweise der muslimische Kulturkreis darstellt. Andererseits könnte aber auch ein Krieg zwischen anderen Kernstaaten ausbrechen (USA - China).

 

So stellt der "Clash of Civilization" ein Konzept divergierender Wertesysteme dar, die nicht miteinander kompatibel sind. Entsprechend seinem (eingeschränkt) zyklischen Geschichtsbild befindet sich der Westen in der Defensive und läuft Gefahr, diesen Konflikt zu verlieren. Kennzeichen sind sinkende Geburtenraten, das Dogma des Multikulturalismus, sinkendes Bildungsniveau, der Verlust sozialer Beziehungen, steigende Kriminalität etc.

 

Gleichwohl kann der westliche Kulturkreis sich erneuern. Huntington empfiehlt hierbei eine Hegemonialstellung der USA und lehnt u.a. die Aufnahme der Türkei in die EU als Teil des islamischen Kulturkreises ab.

 

Mag dieses Konzept heute verlockend klingen, so darf nicht übersehen werden, dass schon der deutsche Kulturphilosoph Oswald Spengler in seinen letzten beiden Büchern "Der Mensch und die Technik" und "Jahre der Entscheidung" die Frage aufgeworfen hat, ob die "faustische (westliche)" Kultur nicht am Ende ihrer Entwicklung angelangt ist und dem Untergang entgegensieht.

 

Sein Synonym dafür ist das Konstrukt der "farbigen Weltrevolution" als Abschluss seiner Kulturkreistheorie aus dem "Untergang des Abenlandes" (1918/1922)

 

Für Spengler sind Kulturen lebende Organismen, die Kultur im Sinne von Landschaft darstellen. In der Landschaft entsteht die jeweilige menschliche Kultur durch eine Zahl von Menschen in einer bestimmten Kulturlandschaft. Die "Kulturseele" der von ihm behandelten Hochkulturen zeichnen sich durch individuelle künstlerische und wissenschaftliche Leistungen, die politischen, ökonomischen und religiösen Systeme aus.

 

Somit sind Kulturen von "Rassen (heute sprechen wir von Ethninen)" im gängigen Sprachgebrauch das Ergebnis und nicht die Voraussetzung für Kultur (womit Spengler in klarer Opposition zum rassistischen Biologismus auf darwinistischer Grundlage des Nationalsozialismus steht = liest man Spengler, muss man deshalb immer seine Bedeutung der Begriffe kennen, da sie wie bei Nietzsche, immer zu Missverständnissen einladen). So schreibt er: "Wenn trotzdem mit vielem Rechte Völker und Rassen zusammengestellt werden, so ist damit nicht der heute übliche Rassebegriff der darwinistischen Zeit gemeint. Man glaube doch nicht, daß je ein Volk durch die bloße Einheit der leiblichen Abstammung zusammengehalten wurde und diese Form auch nur zehn Generationen hätte wahren können. Es kann nicht oft genug wiederholt werden, daß die physiologische Herrkunft nur für die Wissenschaft und niemals für das Volksbewußtsein vorhanden ist und daß kein Volk sich je für dieses Ideal des "reinen Blutes" begeistert hat. [UdA, S.755]"

 

So hat er am Anfang, wie viele Intellektuelle der Weimarer Republik, den Nationalsozialismus als Instrument gesehen, um die verhasste Republik abzuschaffen, da sie nicht "in Form sei" um die Rolle des letzten abendländischen Imperiums anzurtreten. Hier zeigt sich die kulturelle Gebundenheit Spenglers an ein Politikverständnis, welches nur eine Politik der Stärke als probates Mittel ansieht, um Deutschland wieder eine Großmachtrolle zu geben, die es durch die Niederlage des ersten Weltkrieges verloren hatte. So spricht er auch vom "inneren England" als intellektuelle Variante der Dolchstoßlegende. Ebenso spiegeln seine Auführungen zur Rolle der Frau ein erzkonservatives Verständnis wieder. Spengler zeichnet sich insgesamt gesehen durch ein Janusköpfiges Bild aus. Zum einen der begnadete Schriftsteller und prophetische Seher. Zum anderen der kleingeistige, rechthaberische und in den Ansichten seiner Zeit gefangene, der erst spät das wahre Gesicht des Nationalsozialismus erkannte.

 

Spätestens seit dem Wahlsieg 1933 und dem sog. "Röhm-Putsch" 1934 wurde er zum Kritiker, dessen letztes Buch "Jahre der Entschediung" die schärfste, in Deutschland unter dem Nationalsozialismus erschienende Kritik darstellt. So prophezeite er nicht nur die Wandlung des deutschen Volkes zum "Schwätzer- und Hetzervolk" sondern wandte sich auch gegen den biologistischen Antisemitismus: "Es kommt nicht auf die Rasse an, zu der man gehört, sondern auf die Rasse, die man besitzt. Das eine ist Zoologie, da andere Ethos". Das kann als Ausgangspunkt für die hier vertretende Sicht angesehen werden: "Es kommt nicht darauf an, woher ein Mensch stammt, welche Hautfarbe er hat oder welcher Religion er folgt, sondern es kommt auf den einzelnen Menschen an. Es zählt der Geist." Nach der Enttäuchung zog er sich bis zu seinem Tod 1936 in die Singularität zurück.

 

Er unterscheidet im "Untergang des Abendlandes" acht Hochkulturen (ägyptische, babylonische, indische, chinesische, antike-apollonische, arabisch-magische, mexikanische und abendländisch-faustische), die teils nacheinander, teils gleichzeitig, aber immer monadenhaft (ohne jeden kulturellen Austausch) existieren. Primär vergleciht er dabei die Enwticklung zwischen antiker und abendländischer Kultur.

 

Sein heuristisches Instrument, um die Kulturen zu interprteieren, stellt das Ursymbol dar. So zeichnet sich die arabische Kultur, die einen morphologischen Sonderfall darstellt (da sie keine eigene Kultur geschaffen hat, sondern vom Hellenismus überlagert wird) durch ein höhlenhaftes Weltgefühl aus. Dessen archtitektonischer Ausdruck ist die Kuppel der Moschee, die den "Deckenabschluss" betont. Die faustische Kultur hingegen strebe in den grenzenlosen Raum. Ausserdem ist die "faustische" Kultur durch den Individualismus, die "magische" Kultur durch den Kollektivismus gekennzeichnet: "Während der faustische Mensch ein Ich ist, eine auf sich selbst verwiesene Macht, die in letzter Instanz über das Unendliche entscheidet, während der apollonische Mensch ein soma unter vielen nur für sich selbst einsteht, ist der magische Mensch mit seinen geistigen Sein nur Bestandteil eines pneumatischen Wir, das von oben sich herabsenkend in allen Zugehörigen ein und dasselbse ist. [UdA, S.843]"

 

Jede Kultur durchläuft einen Entwicklungsprozess von ungefähr 1000 Jahren (das Abendland etwa 1200 Jahre). Die Kultur stellt die höchste Stufe der Entwicklung dar, die mit dem Eintritt in die Zivilisation endet ("Kultur und Zivilisation - das ist der lebendige Leib eines Seelentums und seine Mumie").

 

Diesen Zeitpunkt markiert Spengler für das Abendland mit Napoleon. Hier herrscht das Geld und die Technik. Für Spengler bedeutet Demokratie in der Zivilisation nicht die Macht des Volkes, sondern Plutokratie. Die Macht des Geldes. Diejenigen, die das Geld besitzen, beherrschen durch geschickte Wahlkampfmanöver und Beeinflussung der Presse die Masse. So stellt sich der Parlamentarismus nur als Bühne für Scheingefechte dar, da die Parteien nicht die Interessen der Wähler, sondern die Interessen der Geldgeber vertreten. Somit findet hinter der Chimäre des Parlamentarismus als Ausdruck der Demokratie der offene Kampf um die Macht im Staat statt. Aber auch die Plutokratie wird sich in der Zivilisation nicht mehr ewig die Macht halten können. Den die Menschen werden der Lügen gewahr und hoffen auf Befreiung von den Ideologien: "Die Heraufkunft des Cäsarismus bricht die Diktatur des Geldes und ihrer politischen Waffe, der Demokratie. [UdA, S.1193]"

 

Denn in der Endphase der Zivilisation wird die Herrschaft des Geldes durch den Cäsarismus abgelöst. Neue Cäsaren als Gewaltherrscher kommen an die Macht. Nach einem ersten inner-abendländischen Krieg wird dieser Cäsarismus ein letztes amorphes Imperium eririchten, welches aber auch nicht mehr in der Lage ist, den Lauf der Geschichte aufzuhalten. Spengler selbst sah den Cäsarismus als kultvivierte Form eines Staates, der nachkapitalistischen Sozialismus mit vorkapitalistischen Preußentum zu einem preußischen Staatssozialismus verband, der stark genug wäre, bis zum Untergang des Abendlandes bestehen zu können ("Preußentum und Sozialismus", 1919)

 

Nach den Vergleichstafeln im "UdA" vollzieht sich dieser Prozess so (Zeitraum 1790 - ca. 2200 n.Chr.):

 

Absolutimsus (höchste Staatsform)

 

Sprengung des Absolutismus durch die Französische Revolution und Napoleon I.

 

Sieg der Stadt über das Land ("Volk" gegen "Priviligierte, Intelligenz gegen Tradition, Geld über die Politik)

 

Auflösung organisch gewachsener "Volkskörper" zu amorphen Massen, Entstehung des "vierten Standes", Weltstadt

 

Herrschaft des Geldes in Form der "Demokratie" , die alle politischen Formen und Gewalten durchdringen

 

Ausbildung des Cäsarismus als Gewaltpolitik und Sieger über das Geld

 

Immer primitiver werdende Formen der Politik

 

Entstehung eines neuen Imperiums primitiv-despotischen Charakters

 

Erstarren und Ohnmacht gegenüber der Beutelust "junger Völker" und fremder Eroberer

 

Langsames Heraufdringen urmenschlicher Zustände in einer hochzivilisierten Lebenshaltung

 

Entgegen den immer missverstandenen Titel meint Spengler mit Untergang "Vollendung" im Rahmen der zivilisatorischen Möglichkeiten. Ebenso gibt er später den Gedanken der monadenhaften Existenz auf. ("Pessimismus?", in: "Reden und Aufsätze", München, 1937, S.63-79)

 

Mit dem ersten Weltkrieg ist der reale Untergang des Abendlandes beendet. Es besteht nur noch ein matter Nachzügler. Der Westen. Die mit der westlichen Zivilisation verbundenen Völker bezeichnet Spengler als "weiße" Völker. Die anderen (worunter er auch Russland zählt) fallen unter die Residualkategorie "farbige" Völker.

 

Die "farbigen" Völker haben ihren Respekt vor den ehemaligen Kolonialherren nach dem ersten Weltkrieg verloren. Diese haben aufgrund des "Luxuslebens" des abendländischen Arbeiters (die immer wiederkehrende Fehleinschätzung Spenglers hinsichtlich der gegebenen sozialen Lage) zur Gewinnmaximiserung die Geheimnisse der faustischen Technik in die Kolonialländer exportiert. Dort werden sie zu Waffen gegen den Westen, welches zu schwach und ausgelaugt ist, um sich wehren zu können. Spengler nennt dies die "Rache der ausgebeuteten Völker gegenüber ihren Herren". Wenn sie ihre Rache beendet haben, werden sie die Technik nicht mehr nutzen, da sie den Inbegriff der Maschinenzivilisation darstellt: "Die Geschichte dieser Technik nähert sich schnell dem unausweichlichen Ende. Sie wird von inne heraus verzehrt werden wie alle großen Formen irgendeiner Kultur. Wann und in welcher Weise wissen wir nicht. [Der Mensch und die Technik, S.88]".

 

Dieses Ende ist unausweichlich. Dem Abendland bleibt nichts anderes, als auf verlorenen Posten ausharren, ohne Hoffnung, ohne Rettung. [ebd., S.89]

 

Kennzeichen für diese Entwicklungen stellten die ersten Dekolonialisierungstendzen dar, die schon nach dem 1. Weltkrieg sichtbar wurden. Die ehemaligen Kolonialkräfte hatten sich im Krieg "verbraucht". Ihre dominierende Stellung näherte sich dem Ende.

 

Abstrahiert von der Wortwahl stellt Spengler die Frage, ob das Abendland überhaupt noch in der Lage ist, seine hervorgehobene Stellung halten zu können. Oder ob es, seinem Schematismus folgend, seinen Zenit überschritten hat und zur "Beute" wird.

 

Denn die "farbigen" Völker stellen neue und unverbrauchte Völker dar, die ihre Zeit noch vor sich haben. Er selbst fürchtete, dass das Abendland diese Kraft nicht mehr aufbringen würde, um die Vollendung der Zivilisation zu vollziehen. Ein Grund dafür ist der Umstand, dass immer mehr Menschen im Abendland zur Persönlichkeitsstruktur des "Urmenschen" de-evolutionieren. Der Urmensch besitzt auf niedrigstem Niveau eine austauschbare Persönlichkeit. Auf seiner kognitiven Ebene verschwinden die Unterschiede zwischen "Weißen" und "Farbigen" im Sinne der Verbundenheit mit der abendländischen Zivilisation (heute müssten wie von westlichen Werten und Normen sprechen).

 

Ob man nun Huntingstons oder Spenglers Prognose folgt, bleibt jedem selbst überlassen. Huntington steht aber, trotz Differenzen, in der Tradition von Spengler. Seine Clash of Civilization ist eine Weiterentwicklung von Spenglers Ideen. Das zeigt sich auch an mehreren Bezügen in Huntingstons Buch, indem er Spengler namentlich nennt. Realpolitisch kann man mehr Huntington folgen. Kulturphilosophisch mehr Spengler.

 

Denn wir müssen uns heute fragen, ob wir überhaupt noch in der Lage und Willens sind, unsere Werte zu Verteidigen. Oder ob wir uns auch dem Untergang nähern, der sich in einem "Clash of Civilization" Bahn bricht, den aber niemand gewinnen kann. Weder der Westen noch die islamische Welt.

 

Es kann nur darum gehen, die über 2000jährige Entwicklung der abendländischen Kultur, die jüdisch-christliche und aufklärerische Wurzeln besitzt, zu bewahren und zu stärken. Heute erscheinen die bestehenden Rechte und Freiheiten als gegeben. Sie sind aber das Ergebnis eines jahrhunderte langen Kampfes, der Millionen von Menschen das Leben gekostet hat, bevor rechtliche, soziale und politische Gleichheit existierten.

 

Nur aus einer Position der Stärke heraus, die definiert was der Westen ist, können diese Rechte und Freiheiten weiterhin Geltung erlangen und Verteidigt werden. Das umfasst ebenso die Unterstützung kritischer Muslime, die sich für eine Rationalisierung und Hisotrisierung des dominanten Religionsverständnisses einsetzen. Denn diese finden in der westlichen Welt kaum Beachtung, obwohl sie meistens unter Lebensgefahr agieren müssen.

 

So besteht ein "Clash of Civilization" primär im Westen selbst. Und zwar zwischen Verteidigern westlicher Werte und Normen (was Kritik an Fehlentwicklungen nicht ausschließt) und den kulturrelativistischen Beliebigen.

 

Die Beliebigkeit ist das Ende eines Prozeses, der mit der Moderne in Gestalt der Aufklärung begann. Diese überwand mit Vernunft und Bildung die Dogmen von Religion und Adel. Heute überwindet die Postmoderne in Form der Beliebigkeit die Moderne der Aufklärung und deren Normen und Werte. Damit einhergehend hat der Westen die Fähigkeit verloren, sich selbst zu Definieren. Denn was ist der "Westen" bzw. seine Werte und Normen heute anderes als ein amorphes Wortgebilde ohne Inhalt und Form?

 

Jede Kultur baut auf der Religion auf, die das Fundament für die Normen und Werte des Zusammenlebens geliefert hat. Während im Westen Gott tot ist, da die Menschen ihn in sich selbst getötet haben, muss das Fundament selbst von IHNEN gefüllt werden. Denn es gilt nicht mehr "Gott ist die Wahrheit", sondern "alles ist Möglich".

 

Dagegen lebt Allah in er islamischen Welt und die Religion wird immer stärker zur Antwort auf das Leiden von islamischen Gesellschaften, die den Menschen keine lebenswerte Perspektive aufzeigen können. Friedrich Nietzsche hat jede Kultur an ihrer Fähigkeit gemessen, das allgegenwärtigen Leiden zu verarbeiten. So enstand der "Übermensch" als Überwinder des bisherigen, der das Leben trotz aller Schicksalschläge bejaht. Diese Heroisierung hat sich im Islam in der Gestalt des shahîd, des Selbstmörders neu entfaltet, dessen Kultivierung der Gewalt als Vorbild für einene neuen Siegeszug des Islams immer neue Anhänger findet, da der Islam den "feigen und dekadenten" Westlers überlegen scheint.

 

Und was hat der Westen als Antwort parat. Nichts!

 

Dies gilt für die kulturrelativistische Doktrin der "Multikulturellen Gesellschaft", die zu einer Apartheitsgesellschaft geführt hat, die an ihren eigenen Widersprüchen zerbrochen ist. Oder wie nennt man es, wenn man der westlichen Frau Emanzipation zubilligt und der muslimischen Frau im Namen von "Toleranz" die Menschenrechte abspricht? Tödliche Toleranz.

 

Aber auch die kulturdeterministische Forderung nach einer "Deutschen Leitkultur" entpuppt sich als leere Worthülse. Denn wie soll diese aussehen. Biertrinkende, Ballonseindenanzüge tragende Schwätzer und Hetzer, die sich ihren täglichen Orgasmus in den Talkshows der Nichtigkeiten verschaffen? Frauen, denen die gepiercte und tätowierte Individualität vorne und hinten herausquillt? Das Millionenheer der Radfahrer in ihren Büros, die nach oben buckeln und ansonsten ihr Schwafelgift über andere ausspeien?Der Homo Maschina, der nur noch Funktion ist? Hier bohrt der Kulturphilosoph seine Hand in die klaffenden Wunden von Schein und Sein. Denn wir leben in einer Zeit des Unter- und Überganges.

 

Vielleicht brauchen wir ein zweites 1789, um den Menschen aus der Unmündigkeit des durch Definition und Kommunikation konstruierten ICH im IST zum selbstbestimmten SEIN IM SELBST zu führen, damit Freiheit, Gerechtigkeit und Gleichheit verwirklicht werden können?

 

Heute haben die meisten Menschen aufgehört zu denken und sich auf die grundlegenden Funktionen des Lebens zurückgezogen. Sie leben in einer einfachen und überschaubaren Welt, ohne ihre Gebundenheit zu merken. Sie leben in einer Realität, die IST. Nicht in einer Realität, wie sie SEIN SOLLTE. Gefangen im Vergleich mit anderen, durch die ihre Persönlichkeit erst eine Berechtigung erfährt, ohne sich auf ihr eigenes SELBST zu besinnen.

 

Denn mehr denn je gilt heute Jean-Jacques Rousseaus Feststellung aus dem Du Contrat Social: "Der Mensch wird frei geboren, und überall ist er in Ketten. Mancher hält sich für den Herrn seiner Mitmenschen und ist trotzdem mehr Sklave als sie."

 

Da schon kein Mensch Herr über den anderen sein kann, so kann auch kein Gott oder Führer Herr über den Menschen sein. Daher muss jeder selbst daran mitarbeiten, damit Freiheit, Gerechtigkeit und Gleichheit Determinanten des zwischenmenschlichen Zusamenlebens werden.

 

Schiller stellt hierzu treffend fest: "Die Weltgeschichte ist das Weltgericht."

 

 

 

Sie wird entscheiden wer die Zukunft vorausgesagt hat: Spengler oder Huntington.