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Der Jihadismus ist ein primär sunnitisch arabisch geprägter, sich religiös legitimierender Terrorismus. Seine Wurzeln liegen in der Historie des Jihad als einer der zwei Säulen der Ausbreitung des Islam seit dem 7. Jahrhundert und in den Schriften islamischer 'Ulema seit dem 13. Jahrhundert.

Unter anderem  in den Schriften von Ibn Taiyymia (1263-1327), der unter dem Eindruck des den Islam bedrohenden Mongolensturmes versuchte, die Einheit des Islam wiederherzustellen. Seine Lehren flossen in den Wahhâbismus/ al-Muwahhidun (Staatsreligion in Saudi-Arabien) und finden sich auch in der ägyptischen Muslimbruderschaft wieder. Osama bin Laden hat all diese Lehren zu einer Doktrin des asymmetrischen Krieges vereint. Somit stellt der Jihadismus nichts primär Neuartiges dar.

Wichtig:

Der Jihadismus stellt sich als Weiterentwicklung des klassischen defensiven "tellurischen Partisanen" dar, da er den Typus des "urbanen Jihadisten" geformt hat, der offensiv die nicht oder schwer zu schützende Infrastruktur des Gegners nutzt.

Jihadismus selbst ist eine Form des asymmetrischen Krieges, der weiterhin nach der klassischen Kriegsdefiniton von Clausewitz einen Akt der Gewalt darstellt, um den Gegner den eigenen Willen aufzuzwingen. Dieser urbane Jihadist findet seine Ausformung im indigenen "homegrown terrorism".

Fraglich ist hierbei, ob man überhaupt von einem "Krieg gegen den Terrorismus" sprechen kann, da Krieg immer einen Konflikt zwischen zwei Subjekten des Völkerrechtes definiert, die daraus Rechte und Pflichten ableiten können. Aus dieser Problematik ergibt sich auch die Frage der Rechtmäßigkeit von Maßnahmen wie Guantanamo.


Der Jihadismus stellt sich als "Terrorismus von unten" dar, der islamische und westliche Staaten attackiert, um diese abzuschaffen bzw. zu einer Verhaltensänderung ihrer Politik zu bewegen. Das Ziel besteht primär in der Errichtung eines globalen sunnitischen Kalifats. Al Qaida nimmt in ihrem Trainingshandbuch "Al Quaeda Manual" ausdrücklich auf das 1924 in der neu errichteten Türkei von Kemal Atatürk abgeschaffte Kalifat bezog. Mitglieder sind hauptsächlich Angehörige der Unter- und Mittelschichten in den islamischen Ländern, wobei insbesondere Absolventen naturwissenschaftlicher Fächer häufig vertreten sind. Daneben hat sich der in den westlichen Staaten entstandene indigene "homegrown terrorism" entwickelt.

Er ist "exklusiver" Terrorismus, da nach dem Trainingshandbuch nur Muslime Jihadisten sein dürfen. Gleichwohl existieren Fälle, wo auch Konvertiten Jihadisten geworden sind (was sich nicht widerspricht). Er ist auch exclusiv, da die "alte" al Qaida eine sunnitisch-ägyptisch-saudi- arabisch geprägte Organisation ist, die auch einen Jihad gegen Schiiten führt. Dabei haben die Schiiten eine lange Märtyrertradition in ihrer Historie und waren 1983 die ersten, die mittels Selbstmordattentate die USA und Frankreich aus Beirut vertrieben. Die bekannteste schiitische Terrorgruppe ist die vom Iran und Syrien finanzierte 'Hizb Allah (Partei Allahs). 

Jihadismus des hybriden Netzwerkes al Qaida ist damit "transformatorischer" Terrorismus, da historische innerislamische Konflikte in die Gegenwart transportiert werden (siehe Irak). 

Er ist "kommunikativer Terrorismus", da die Attentate nicht primär wegen Zerstörung und Opferzahlen ausgeführt werden, sondern um eine Botschaft global zu verbreiten, wobei die Massenmedien als Übertragungsmittel dienen. Die Zukunft wird zeigen, ob es so bleibt, da die Attentate immer mehr Opfer unter Muslimen fordern.

Jihadismus ist "billiger" Terrorismus. So beliefen sich die Kosten für den 11.09.2001 nach Schätzungen auf etwa 5 Mio. Dollar, während Schäden in Höhe von ca. 60 Mrd. Dollar entstanden (von den Opfern nicht zu sprechen). Die Attentäter von London haben insgesamt 8000 Pfund (ca. 15.000 EURO) benötigt, um ihre Anschläge durchzuführen.

Jihadismus ist "kreativer" Terrorismus. Er stellt sich auf die jeweilige Situation vor Ort ein und hat mit dem "urbanen Jihadisten" einen neuen Kämpfertypus entwickelt.

Jihadismus ist "Franchaising"-Terrorismus. Jeder Jihadist und jede jihadistische Gruppe oder Zelle kann unter den Markennamen "al Qaida" Anschläge unter eigener Regie durchführen, wenn sie in den Zielen übereinstimmt. Die al Qaida selbst stellt, wenn überhaupt, nur noch logistische und/oder finanzielle Hilfe. Osama bin Laden und Ayman al-Zawahiri haben dabei die Rolle eines "Mythos" übernommen, da die neue Jihadistengeneration nicht mehr auf Anweisungen der ersten al Qaida Generation angewiesen ist.

Kennzeichen der Strategie/Attentate:

1. Swamming Taktik: Zeitgleiche Attacken auf mehrer Ziele

2. Soft Targets: Angriffe auf schwer zu schützende Ziele (insb. Zivilbevölkerung)

3. Body Count: hohe Opferzahlen

4. Erregung globalen Medieninteresses

5. Symbolische Politik: Attacken auf politische, militärische oder ökonomische "Wahrzeichen" des als Feind angesehenen

Jihadismus hat sich zum "symbiotischen Terrorismus" entwickelt, bei dem sich religiöser Terrorismus und gewinnorientierte Organisierte Kriminalität (OK) verbinden. Die dritte Säule der Symbiotik stellt die Proliferation dar (die Weiterverbreitung von ABC-Waffen bzw. deren Komponenten). Jihadistische Gruppen versuchen (bisher ohne größeren Erfolg) in den Besitz der kritischen Masse für eine A-Bombe zu gelangen. Neben den Einsatz konventioneller Mittel geht derzeitig die größte Gefahr von sog. "schmutzigen Bomben" aus. Das sind konventionelle Sprengkörper, deren Ladung mit radioaktivem Material angereichert ist.

Jihadismus ist "virtueller" Terrorismus. Das nicht zu überwachende Internet in Form des „dark- und hiddenweb“ mit über 6000 jihadistischen Webseiten hat sich zur Rekrutierungs-, Mobilisierungs- und Finanzierungsquelle Nr.1 entwickelt. So werden Selbstmordattentate im Irak und anderen Schauplätzen des Jihad professionell gefilmt und unverzüglich ins Netz gestellt. Die Zielgruppe besteht heute primär aus jungen, gebildeten Muslimen der Mittelschicht in den westlichen Gesellschaften, die für den Jihad geworben werden sollen, obwohl deren soziale Lebenswelt nicht von den Ereignissen tangiert ist

Jihadismus ist "Gruppenspezifischer Terrorismus". Untersuchungen und Vergleiche mit früheren Formen des Terrorismus haben gezeigt, dass die einzelnen Mitglieder jihadistischer Zellen ihre Taten unter Gruppendruck ausführen. Erst die Gruppe konstruiert durch "Face to face" Kontakte ein manichäisches Weltbild mit einer Überhöhung des "Märtyrers". Dadurch wird die Gruppe zusammengeschweißt, die sich gegen "AUSSEN" abschirmt und nach "INNEN" ein homogenes Kollektiv mit eigener sozialer Identität bildet.
Würde man den Einzelnen aus der Gruppendynamik herausziehen können, dann könnte man ihn "Re-Programmieren".

In Europa entwickelt sich der Jihadismus zu einem indigenen "homegrown terrorism", da die Jihadisten aus dem eigenen Land stammen, sich hier radikalisieren und hier über das Internet, persönliche Kontakte und gezielte Rekrutierung von "Talentspottern" im Umfeld von Moscheen und islamischen Kulturzentren  indoktriniert werden. 

Ebenso werden „Islamseminare“ abgehalten, um gezielt junge Konvertiten zu jihadisieren.

 

Aktuellstes Beispiel war die Festnahme von drei Verdächtigen (zwei Konvertiten und einem tükischstämmigen Verdächtigen) im September 2007, die in Deutschland schwere Attentate mit hohem body count gegen amerikanische Ziele ausführen wollten. Sie waren eingebunden in Strukturen in Ulm und Neu-Ulm und handelten (das ist ungewiss) im Auftrag der "Islamischen Jihad Union". Ihre Ausbildung erhielten sie in den neuen Ausbildungslagern der al Qaida in Nord-Waziristan.

 

Daneben existieren exogene Jihadisten (Kofferbombenattentäter in Deutschland im Juli 2006, Ärzte und medizinisches Personal im Juli 2007 in England und Schottland), die nicht im Zielland aufgewachsen sind, sich hier aber aufgrund aktueller Ereignisse jihadisieren.

 

Eine neue Gefährdergeneration bildet sich mit sog. "self made Jihadists", die sich nicht mehr in Gruppen jihadiseren, sondern durch die digitalisierte salfitische "Cyber Umma".