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"Islam is a system of beliefs, ritual and law and its legal system covers all sphere of life, including warfare." (Landau-Tasseron, Ella (2003), S.38, in: "Encyclopaedia of the Qur'an." Volume Three, J - O, "Jihad")
"Ein religiöser Krieg im Auftrag Mohammeds gegen die Ungläubigen. Er ist eine religiöse Pflicht, die im Koran und in der Tradition als göttliches Gebot begründet ist." (Hughes, Thomas Patrick (2000), S.130, in: "Lexikon des Islam," "Dschihad")
Seit den Anschlägen des 11.09.2001 erlangte der Begriff des Jihad جهاد (auch: Djihad, Dschihad oder Ghihad) als "Heiliger Krieg" eine mediale Aufwertung.
Im Islam selbst schien es zeitweise so, als ob der Jihad als sechste "arkan-ud-din" zu den anderen fünf Säulen des Islam gerechnet werden würde, was bis heute unter den 'Ulema umstritten ist. Weiterhin ist es umstritten, ob Jihad die Bedeutung "Heiliger Krieg" beinhaltet, da es andere Begriffe wie "qital (Kampf)" für kriegerische Auseinandersetzungen gibt.
Der Wortstamm von Jihad: j-h-d verweist zunächst auf ein gesellschaftliches Bemühen. Der Wortstamm von qital: q-t-l verweist dagegen auf Krieg führen bzw. töten.
Zudem ist der Jihad nur gerechtfertigt, wenn er mit der frommen Absicht (niya) geführt wird.
Etymologisch stammt Jihad vom arab. "jahada = äußerste Anstrengung, äußerstes Bemühen":
"Christen und Europäer übersetzen das Wort Djihad mit Gewaltanwendung und Krieg, ähnlich wie heutige Islamisten dies tun. Dennoch ist es falsch, Djihad mit "heiliger Krieg" zu übersetzen, weil Djihad laut Koran "Anstrengung" (nicht Gewaltanwendung) bedeutet. Redlicherweise muss eingeräumt werden, dass der praktizierte Djihad immer Gewaltanwendung einschloss. In der islamischen Geschichte ist Djihad der Eroberungskrieg zur Islamisierung der Welt." (Tibi, Bassam (2002): "Die deutsche verordnete Fremdenliebe", S.113; in: Schwarzer, Alice [Hg.]: "Die Gotteskrieger und die falsche Toleranz", S.105-120]
Jihadisten sehen sich auf dem "al Jihad fî sâbil Allah" الجهاد في سبيل الله, auf dem äußersten Weg der Anstrengung im Sinne Allahs, wenn sie ihre Auslegung der Religion durch Da'wa verbreiten, oder Anschläge in einem ihrer Ansicht nach gerechtfertigten Verteidigungsjihad ausführen.
"Im al Qur'an wird Jihad als "dschâhada" in diversen Verbformen und dem davon abgeleiteten Substantiv dschihâd fünfunddreißig Mal erwähnt. Und zwar neunundzwanzig Mal in der Bedeutung "Dschihad auf dem Wege Gottes" - gemeint ist mit der Waffe in der Hand - und zweimal als reine "Bemühung, Anstrengung" um sich der bösen Gelüste und Verführungen entgegenzustemmen". (Spuler-Stegemann, Ursula (2007): "Die 101 wichtigsten Fragen. Islam.", S.125)
Entgegen der im "Dialog" immer angeführten friedfertigen Suren des Koran aus der mekkanischen Schwächephase gilt die Ansicht von ( Jalaluddin As-Suyuti, gest. 1505 n.Chr.) , der in seinem Werk "al-Itqan fi 'Ulum al-Qur' an" die für "Ungläubige" positiv zu interpretierenden Suren als ungültig erklärt hat, womit sie gegen später entstandene Suren abrogiert wurden.
So in Sure 25/ Vers 52: "So gehorche nicht den Ungläubigen, sondern setze dich mit ihm (al Qur'an, eig. Einfügung) nach Kräften gegen sie ein, mit großem Eifer (Jihad, eig. Einfügung)".
Prägnanter verdeutlicht Sure 9, Vers 29 das Ziel des Jihad: "Bekämpft jene der Schriftbesitzer (Juden und Christen, eig. Einfügung), die nicht an Allah und den Jüngsten Tag glauben und nicht verbieten, was Allah und Sein Gesandter verboten haben, und nicht den wahren Glauben folgen, bis sie, sich unterwerfend, die Steuer (Dschizya = Kopfsteuer, eig. Einfügung) freiwillig entrichten".
Zentral auch Sure 9, Vers 5. Die als "Schwertvers" bekannte Aya wiederholt den Auftrag zur offensiven Ausbreitung durch Jihad und die Zahlungsverspflichtung der Ungläubigen, wenn sie sich unterwerfen.
Die Sure 9 (at-Tauba) wurde Muhammad nach der Eroberung von Mekka um 630 .n.Chr. offenbart.
Hierzu gehört auch Sure 4, Vers 76, der "at-taaghuut" (Götze oder "das Böse") erwähnt. Alle, die nicht glauben, kämpfen auf dem Weg des Bösen. Und es ist die Pflicht, diese zu bekämpfen, da sie "Satans Freunde" sind.
"Die Verpflichtung zum Jihad ist stets mit einer gewissen eschatologischen Tendenz verbunden, da der Muslim dann nicht mehr an diese Pflicht gebunden ist, wenn alle Menschen sich zum Islam bekennen oder die vorgeschriebenen Unterwerfungsgesten und -praktiken vollzogen haben. Erst dann kann auch das Ende der Welt eintreten. Wobei die Bestimmung des jüngsten Tages alleine in der Hand Gottes liegt".
[Heine, Peter (2004): "Terror im Namen Allahs. Extremistische Kräfte im Islam.", S.22f.]
Will man diese Aussagen einordnen, muss eine historisierende Sichtweise eingenommen werden, da man die historischen Entstehungsgründe kennen muss, die im 7. Jahrhundert gültig waren, heute aber keine Gültigkeit mehr besitzen.
Im Zuge des "Dialog der Kulturen" fand eine Dichotomie vom (durch den Sûfismus beeinflussten) "al-Jihad al-akbar/großer Jihad" im Sinne des Kampfes gegen seine eigenen schlechten Eigenschaften/moralische Vervollkommnung und "al-Jihad al-asghar/kleiner Jihad" als defensiver Verteidigungskrieg Einzug in die Diskussion, die aber nicht zutreffend ist, da sie die Historie Entkontextualisiert.
Denn der kleine Jihad war historisch führend, während der große Jihad erst im 10./11. Jahrhundert durch eine Neuinterpretation von Sure 4, Vers 95 durch den persischen und vom Sûfismus beeinflussten 'Ulama Abu Hamid Muhammad ibn Muhammad al-Ghazali (1058 - 1111 n.Chr.) erfolgte. (zu al-Ghazali siehe auch "Islam"). Gleichwohl wird diese Dichotome Interpretation auch von 'Ulema der ägyptischen Al Azhar Universität vertreten, deren fatwas hohes Ansehen in der sunnitisch islamischen Welt genießen.
Vielmehr muss man von einem dreiteiligen Jihad sprechen. Und zwar vom "Jihad des Herzens, der Zunge und der Hand". Dabei umfasst der "Jihad der Hand" hier auch den oft genannten "Jihad des Schwertes".
Manche 'Ulema sprechen auch von fünf Arten des Jihad:
Jihad der Seele: dschihad bi-n-nafs
Jihad der Zunge: dschihad bil lisan
Jihad der Feder: dschihad bil qalam
Jihad des Wissens: dschihad bil ilm
Jihad des Schwertes: dschihad bis-sayaf
Entgegen der Apologie stellt der Jihad neben Da'wa einen der beiden grundlegenden Pfeiler der islamischen Expansion seit der Hijra 622 n.Chr. dar, um das "Dar al-Islam" auszuweiten, wobei auch der Mudschaheddin seine Genese erlebte.
Auch wenn heute entgegnet wird, mit "Jihad" ist nicht Krieg gemeint, da es dann "al Qital" oder "Harb" lauten müsste, ändert das nichts an den historischen Tatsachen. Seit der Hijra 622 n.Chr. verbreitete sich der Islam auf der arabischen Halbinsel neben Da'wa eben auch durch Kriegszüge. Davon zeugen auch die rund 204 Stellen im al Qur'an, die sich primär in den ersten Suren finden, die historisch als letzte von Muhammad in der mekkanischen Stärkephase empfangen wurden. Damit verbindet sich im Jihad religiöse Mission mit politischem Machtanspruch und kriegerischer Ausweitung, wenn Da'wa abgelehnt wird.
Dies erfolgte vor der Historie des Islam, als Juden und Christen der Da'wa zum Islam nicht folgten und Muhammad diese nun als Feinde ansah. Wobei insbesondere die mächtigen jüdischen Stämme seine noch ungefestigte Herrschaft bedrohten. Nach der Vertreibung zweier Stämme und der Vernichtung eines Stammes stellten die Juden für den jungen Islam keine Gefährdung mehr da.
Die betreffenden Suren rufen in der Phase der Stärke zum Krieg gegen Andersgläubige auf (oder zur Verteidigung bei einem Angriff auf das Dar al-Islam) und versprechen denjenigen den Eintritt als shahîd شَهيد (Märtyrer) ins Paradies, die ihr Leben im Jihad opfern. Dieses metaphysische Paradies gleicht dem Schlaraffenland, da dort die im irdischen Leben verbotenen Genüsse wie Alkohol in Strömen fließen. Auch warten auf den Märtyrer die berühmten zweiundsiebzig "Huris (großäugige Jungfrauen)". Er wird dort in das Gesicht Allahs blicken dürfen und für seine Verwandte einen Platz im Paradies erwerben. Beschreibungen des Paradieses finden sich in Sure 33, Vers 53 und Sure 47, Vers 15).
Immer gab es in der islamischen Gemeinde "Mudschaheddin (=der, der den Jihad ausübt)", die ohne Anweisung des jeweiligen Herrschers auszogen, um kriegerisch-expansiv die Religion zu verbreiten. Die Gestalt des Mudschaheddin ist seit dem 7. Jahrhundert untrennbar mit der Historie des Islam verbunden.
Der Jihad selbst wird in der Verteidigungsphase als فرض العين Fard Ayn, als individuelle Pflicht jedes erwachsenen männlichen Muslim gesehen, während in der Expansionsphase genügend Mudschaheddin von der Umma bereitgestellt werden sollten, wenn der Kalif den Jihad ausrief (bzw. später die weltlichen Herrscher wie die Sultane, die die Macht des Kalifen absorbiert hatten).
Man spricht hier von der "Pflicht der Genüge" als فرض الكفاية Fard al-Kifaya.
Stellt die Obrigkeit diese nicht zur Verfügung, dann fanden sich immer genügend Mudschaheddin, die gegen die Feinde des Islam kämpfen, da dieses ihre eigene Entscheidung war (und ihrer Ansicht nach auch von Allah so gewollt, womit die Legitimierung des Jihad als offensiver Kampf vorlag) und die Umma keine Mudschaheddin bereitstellte. Ein Bsp. dafür ist der Mörder von Theo van Gogh.
Man spricht hierbei bei der Stellung genügender Mudschaheddin von der "fard kifâya = Pflicht zur Genüge".
Theoretiker des modernen Jihadismus wie der "Held von Afghanistan" 'Abdullah 'Azzam hingegen zählen den Jihad allein zur "Fard Ayn", zu persönlichen bzw. individuellen Pflicht jedes Muslim, die nicht delegiert werden kann. Somit muss jeder Muslim in den Jihad ziehen, wenn das Dar al-Islam bedroht ist bzw. das dar al-Islam von "Ungläubigen" besetzt wird. Heutige Jihadisten etwa führen sowohl den Jihad gegen den "inneren Feind" (die eigenen Regime)" und auch den "äußeren Feind" (den Westen).
Gleichwohl wurde der historisch-expansive Jihad als reglementierter Jihad geführt, während der heutige Jihad als asymmetrischer Konflikt keine Regeln mehr kennt.
Der Afghanistankrieg von 1979 - 1989 ist als Genese des Jihadismus heutiger Prägung anzusehen. Der Einmarsch sowjetischer Truppen bedeutete für viele arabische Staaten die Gelegenheit, innenpolitische Spannungen durch den Transfer islamischer Fundamentalisten nach Afghanistan abzubauen, die sich immer mehr radikalisiert hatten.
Dort wurden die sog. "Araberafghanen" in der Endphase des Krieges in der "al Qaida [Datenbank]" gespeichert, die den Grundstock für die spätere Militärorganisation al Qaida darstellte. Während des Krieges wurden die Mudschaheddin insbesondere von Saudi-Arabien finanziell, dem pakistanischen Geheimdienst ISI logistisch und von den Vereinigten Staaten (CIA) mit modernen Waffen unterstützt. Der Sieg der Mudschaheddin ist primär auf die Lieferung amerikanischer Stinger Raketen zurückzuführen. Somit hat der Westen im Grunde erst den Grundstein für die Ideologie des globalen Jihad gelegt.
Durch den Sieg über die Sowjetunion entwickelte sich seit 1990 die Doktrin des "Non Territorial Islamic State" im Sinne einer Reanimierung der historischen Ur-Umma der medinensischen Stärkephase.
Der auslösende Moment für den "modernen Jihadismus" war für Osama Bin Laden 1990 die Stationierung alliierter Truppen in Saudi-Arabien für den zweiten Golfkrieg. Zumal die Sa'ûd Dynastie sein Angebot ablehnte, Kuwait von seinen Mudschaheddin befreien zu lassen. Nach verschiedenen Stationen im Sudan und den Balkan wurde 1998 dann von al Qaida القاعدة und verbündeten jihadistischen Gruppen die "Internationale Islamische Kampffront gegen Juden und Kreuzfahrer (IIK)" in Afghanistan gegründet, die sich nach der Zerschlagung Ende 2001 in ein globales Terrornetzwerk und eine ideologische Bewegung gewandelt hat (dazu auch mein Essay über den "urbanen Jihadisten" als neuen Typus und Fortentwicklung des "tellurischen Partisanen")
Wichtig:
1.) Entgegen der Dichotomie "kleiner/großer" Jihad sollte die Dreiteilung "Jihad des Herzens, der Zunge und der Hand" genutzt werden.
-"Jihad des Herzens": Muslime befinden sich in unterlegener Situation
-"Jihad der Zunge": Expansionsphase durch Da'wa und Taqyyia, um die "Kufr (Ausklammerer der Wahrheit = Ungläubige)" durch erlaubtes Lügen über die wahren Absichten zu täuschen. Oft auch durch die Konstruktion des "Dar al-Ahd (Gebiet des Vertrages)" gekennzeichnet.
-"Jihad der Hand": Muslime befinden sich in der Mehrzahl. Möglichkeit des bewaffneten Kampfes, um Forderungen durchzusetzen und eine Umma mit Geltung der der Schari'a zu errichten. In der Umma sollen alle Kufr (primär Angehörige einer Buchreligion) als Teilgesellschaft mit minderen Rechten neben dem muslimischen Staatsvolk leben.
2.) Um die Motive des Jihadismus zu verstehen, muss man sich vergegenwärtigen, dass die Jihadisten sich selbst in einem Verteidigungsjihad sehen, der primär gegen die Schiiten, den "großen Teufel (USA)", den "kleinen Teufel (Israel)" und dem Westen geführt wird, da dieser angeblich einen neuen Kreuzzug gegen die islamische Welt führt. Ebenso gilt der Jihad den als "unislamisch" angesehenen Regimen in der arabischen Welt, da ihnen vorgeworfen wird, nur Befehlsempfänger der "Ungläubigen" zu sein (siehe Sayyid Qutb bei "Islamischen Fundamentalismus")
Damit stellt sich der Jihad von al Qaida und deren globales Netzwerk zwar als ein globales Phänomen dar, der aber nur eine Art des Jihadismus darstellt, da regional und global verschiedene Jihads geführt werden. So etwa in:
-Afghanistan
-Israel
-Pakistan
-Saudi-Arabien
-Maghreb -Horn von Afrika -Somalia
-Tschetschenien und andere Republiken in Form einer "Kaukasusfront"
-Kosovo
-Westeuropa
3.) Der Jihad wird nicht nur als bewaffneter Kampf geführt. Es gibt insgesamt 39 Möglichkeiten, den Jihad aktiv und passiv zu unterstützen. So etwa durch:
-Da'wa für den Jihad und die Mudschaheddin
-Spendensammlungen für die Mudschaheddin
-Unterstützung der Familien von gefallenen und gefangenen Mudscheddin
-Verbreitung der Siegesmeldungen der Mudschehddin